Wie die Energiewende gelingen kann

Die Energiewende bewegt - auch in Barsinghausen beim Vortrag von Sven Giegold.

„Es war ein motivierender Abend“, sagt Dorota Szymanska. Die Kandidatin der Grünen für das Bürgermeisteramt in Barsinghausen begrüßte am Montagabend, 7. September, Sven Giegold in der Kulturfabrik Krawatte. Der stellvertretende Bundesvorsitzender der Grünen und Staatssekretär a.D. im Wirtschafts- und Energieministerium unter Robert Habeck sprach vor rund 50 Gästen über die „Energiewende 2.0“, über die Erfolge und auch über Wege, wie die Energiewende gelingen kann. Rund zwei Stunden lang räumte der Bundespolitiker auf mit „Mythen“ rund um die Energieversorgung. „Es gibt, anders als gern erzählt wird, keinen globalen Aufschwung bei der Atomkraft. Die Atomkraft ist aufgrund der riesigen Kostensteigerungen unwirtschaftlich geworden, vor allem auch im globalen Süden, wo der Preist für Solarstrom längst nur noch bei einem Cent pro Kilowattstunde liegt“, betonte er.

Das reiche Deutschland habe Verantwortung, in der Energiewende und im Ausbau der regenerativen Energie nicht nachzulassen. Denn Deutschland könne Vorbild sein und verliere auch weltweit die Glaubwürdigkeit, wenn die Energiewende stoppt. Ganz anders dagegen handle China. „China macht sich unabhängig von unsicheren Lieferanten, von der Weltlage und baut Solar- und Windkraft und Speicher massiv aus“, betonte Giegold. Dagegen sei der Weg der deutschen Regierung, wieder – unter dem Schlagwort „technologieoffen“ – fossile Energieträger zu fördern, unverantwortlich. Es gehe nun darum, stattdessen weiter auf regenerative Energie zu setzen und vor allem auch die Bereich Verkehr und Wärmewende, die noch hinterherhinken, zu stärken. E-Mobilität müsse gefördert werden und nicht ständig der Markt verunsichert werden.

Sven Giegold plädierte unter anderem auch für die Digitalisierung auf dem Strommarkt und des Stromnetzes. „Es geht darum, intelligent Strom zu verbrauchen und zu speichern oder ihn dann zu nutzen, wenn viel Solarstrom im Netz ist. Hilfreich sind dabei sogenannte Smart Meter, die den Verbrauch an Strom und Wärme alle 15 Minuten an den Netzbetreiber übermitteln und über die dann auch dynamische Tarife genutzt werden können. Damit sinken Kosten“, erklärte er. Deutlich wurde am Abend auch, wie wichtig neben dem Blick auf globale und bundesweite Entwicklungen, die lokale Ebene bei der Energiewende ist. Zu Gast war auch Sinja Münzberg, Kandidatin für das Amt der Regionspräsidentin, die auf Förderprogramme der Region hinwies und den Aufbau einer Energiegenossenschaft. Die Förderung von sogenannten Balkonkraftwerken wurde von Dorota Szymanska als positives Beispiel aus Barsinghausen genannt. Hier hatten die Grünen ein kommunales Programm erfolgreich beantragt.

Sven Giegold ging zu Beginn des Abends auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt ein. „Das Ergebnis für eine Partei, die verfassungsfeindlich ist, ist erschreckend. Aber es zeigt auch reale Problem, nicht nur in Deutschland, wo die Lebensleistung von Menschen entwertet wird, wo sie sich kulturell abgehängt fühlen, und Abstiegsängste haben. Aber das ist keine Begründung dafür, Faschisten zu wählen“, betonte er. Allerdings sei gerade die Energiewende ein Beispiel dafür, wie durch die dezentrale Produktion von Energie neue Quellen der Wertschöpfung erschlossen werden und diese auch ländliche Räume stärken könnten.

Dorota Szymanska, Sinja Münzberg (Mitte) und Sven Giegold werben für die Umsetzung der Energiewende.